Geschichtchen aus der Schulzeit
Leibnizschule
Genieße das Leben ständig, Du bist länger tot als lebendig!
"Charly" Beck. Traurig, dass es auch ihn hinweggerafft hat, aber das ist nun einmal unausweichlich. Für mich war er der beste Lehrer, den ich je hatte. Ich werde nie vergessen, als wir einen mehrstündigen Aufsatz zu schreiben hatten und er entgegen der sonst üblichen drei Themen zur Auswahl nur ein festes Thema vorgab. Es lautete: Ist es Sünde, keine Hoffnung zu haben? Da ich wusste, dass er sehr aktiv im Kirchenvorstand tätig war, war klar, wohin die Reise gehen sollte. Ich änderte die Route und betrachtete das Thema aus rein weltlicher Sicht und nicht im religiösen Sinne. Ich schrieb eine komplette Kladde voll und war gespannt, wie das bei Beck ankommen würde. Es war ein großes Risiko für mich, denn ich brauchte die Eins in Deutsch, um die Fünf in Mathe ausgleichen zu können. Als die Hefte mit der Benotung zurückgegeben wurden, schlug ich die letzte Seite auf und staunte nicht schlecht, was unter meinem Aufsatz in roter Schrift zu lesen war: " Du Sauhund!!! Du weißt genau, dass Deine Darstellung im krassen Gegensatz zu meiner festen Auffassung steht. Dennoch wurde das Thema sehr sauber herausgearbeitet und überzeugend argumentiert. Auch wenn ich mit Deiner Sichtweise nicht einverstanden bin, komme ich nicht umhin, Deinen Aufsatz mit der Note 1 sehr gut zu bewerten." Das war Charly und es hat mir mächtig imponiert, dass er bereit war, über den eigenen Schatten zu springen und auch andere Sichtweisen zuzulassen. Er ließ es sich aber nicht nehmen, seine Sicht der Dinge noch einmal deutlich zu untermauern. Hinter dem "Sauhund" hatte er in roter Stempelfarbe ein kleines stilisiertes Schwein ins Heft geprägt. Ich werde diesen tollen Lehrer nie vergessen und in meinen Gedanken ist er immer noch präsent. Gernot Heck 2022
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Ede Sattler Als in einer Arbeit ein Schüler aus der ersten Reihe und ein Schüler aus der vorletzten Reihe die selben Fehler hatten, gab er diesen die Arbeit mit einer 6 zurück, mit der Begründung sie hätten voneinander abgeschrieben. Auf den Einwand, dies sei doch durch die große Entfernung gar nicht möglich, antwortete er: Ich kenne Euch Kerle doch, Ihr spickt aus einem Fenster heraus und durch das andere Fenster wieder herein. Die zwei "Sechser" bleiben. Schluß. Heino Grüters 1989
Die besser anonym bleibende Leidensgeschichte (Name ist der Redaktion bekannt) Das Jahr 1959 war für mich denkwürdig: ein Junge, nennen wir ihn mal Willi (Name ist der Redaktion bekannt), passte mich mit anderen zusammen ab und verschlug mich fast täglich hinter der Schule, mein bester Freund spannte mir meine erste Freundin aus, mein Liebesbrief, der sie flehentlich darum bat, wieder mit mir zusammen zu sein, kursierte in mehreren Abschriften, im Herbstzeugnis hatte ich 5 Fünfer und ich mutierte allmählich zum verzweifelten Klassenkasper. Ede Sattler (Physik) ohrfeigte mich nach Belieben und seine 5 gab schließlich den Ausschlag dafür, dass ich endlich sitzenblieb. In der Wiederholungsklasse wartete der Willi, der vor mir sitzengeblieben war, schon auf mich. Am ersten Schultag schlug ich ihn kurz und klein, hatte fortan meine Ruhe, gute Freunde und bis zum Abi ein ungestörtes und ziemlich erfolgreiches Schülerdasein. Aus dieser Horrorzeit ist mir besonders der dicke Schulze in Erinnerung geblieben, der die Hefte von gut nach schlecht zurückgab und von dem ich schließlich mit den Worten: "Hier ist dein Scheiß" eines der letzten Hefte auf mich zu geschmissen bekam. Zwischen den Stühlen meiner Nachbarn krabbelnd suchte ich dann Heft, Umschlag und Löschpapier wieder zusammen, um dann, wieder sitzend, unter meiner völlig rot zerkritzelten Arbeit nur ein Wort zu lesen: Blödsinn!! NN 2013